Golftrolley bauen (Explorations early 2019)


Während einer milden Wintergolfrunde im Dezember 2018 brach mein schöner, elektrischer Titan-Golftrolley mitten durch. Achsbruch – natürlich an der „roten 7“, dem hintersten Loch des Platzes. Ich entschloß mich, selbst einen neuen Golftrolley zu bauen. Jazz. Die alte, innerlich ablaufende Entdeckungsfreude war wieder da. Es wurde allerdings eine Reise mit vielen Umwegen, die ich in diesem ersten Teil kurz beschreibe. Ob der zweite Teil gradliniger ist, wird sich herausstellen müssen, denn noch ist das Ding nicht fertig.


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Meine ersten Ideen im Januar 2019 drehten sich um einen 3rädrigen, gefederten Trolley. Die „Federn“ würden die Wurfarme eines Bogens oder einer Armbrust sein, die es in verschiedenen Härtegraden gibt. An deren Ende würden kleine Elektromotoren angeschraubt – zu dieser Zeit wollte ich noch meinen zerbrochenen Titantrolley dafür ausschlachten. So hätte ich die Motoren und auch die Elektronik daraus verwenden können.

Zuerst vermaß ich meinen defekten Trolley, damit ich eine Vorstellung von den Maßen bekam. Nach den ersten Ideenskizzen auf Papier „konstruierte“ ich mit Indesign, weil ich das Programm gut kenne und es sich leidlich für diese Art Bauzeichnung eignet. Der Versuch Freecad auf die Schnelle zu lernen schlug gründlich fehl. Über Wurfarme informierte mich im Web und besorgte sie mir in der Eifel bei einem Spezialgeschäft. Sie liegen hier immer noch herum. Denn meine Frau überredete mich, den Titan-Trolley doch reparieren zu lassen. Das war ein weiser Rat, denn sonst hätte 2019 ich mein Bag tragen müssen.


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Nun hatte ich allerdings keine Motoren mehr, aber ich glaubte, die einfach zukaufen zu können. Das ist auch durchaus möglich, diverse Anbieter können die kleinen Motoren mit Getriebe liefern. Nach dem Telefonat mit einem golfenden Ingenieur eines Herstellers stellte sich allerdings heraus, dass nicht die Motoren das Problem sind, sondern die Software.

Ich kannte es „von früher“, dass Elektromotoren mit mehr oder weniger Strom mehr oder weniger schnell laufen. Doch das waren Motoren, die nach klassischem Muster innen Kohlebürsten am Rotor haben. Die neuen BLDC („brushless“)-Motoren haben keine Bürsten, daher laufen sie auch so schön wartungsfrei. Der Nachteil ist, dass man einen Computer und Software braucht, um sie zum laufen zu bringen. Warum genau kann ich immer noch nicht sagen, höchstens mittlerweile erahnen. Damit begann die eigentliche Schwierigkeit für mich, denn ein Verständnis für Elektronik, ja sogar für Strom im weitesten Sinn ist bei mir schlicht nicht vorhanden. Ich kriege zwar die Verkabelung einiger Gartenlampen hin, aber mit Strom hatte ich immer schon Probleme. Mir fehlen die kleinsten Regeln. Ernüchternde Selbsterkenntnis.

Im Zusammenhang mit den Informationen zu den BLDC-Motoren begann ich danach zu googeln, eine zeitintensive Arbeit, die höchstens zu Ahnungen führte. Zumindest der, dass heutzutage nahezu alle Motoren so funktionieren. Die E-Bike-Motoren, die Rollstuhlmotoren, die Hoverboard-Motoren. Sie sind in diesen Fällen als Nabenmotoren ausgelegt, das heißt, in der Nabe des Rades sitzt auch der Elektro-Motor. Die Nabe ist der Motor. Gerade mit den Hoverboard-Motoren werden erstaunliche „moving objects“ gebastelt, seit es jungen Männern gelungen ist, die Software zu entschlüsseln und neu zu schreiben. Damit war es möglich, „Gas zu geben“, ohne das Board neigen zu müssen. Hoverboards und auch die bekannten Segways werden normalerweise mittels Neigungssensoren gesteuert: neige ich das Trittbrett vorne herunter geht es vorwärts, neige ichs hinten runter bremst es oder geht sogar rückwärts.

Das brachte mich zu der Idee, dass der Trolley doch eigentlich nicht nur die Tasche, sondern auch mich selbst spazieren fahren könnte, wenn ich will. Gleichzeitig will ich aber auch gehen können wenn ich will. Ich gab daher die Idee des gefederten Trolleys mit den kleinen Motoren auf.

Statt dessen sollten diese Hoverboard-Radnabenmotoren ein Gefährt antreiben, das gehen und fahren ermöglicht. Also saß ich tagelang mit Google zusammen und versuchte mich dazu schlau zu machen. Wenn mein Trolley mit Batterie 25 kg wiegen würde, die Golftasche 15 und ich selbst 85, dann müßten die Motoren ganz schön arbeiten um die Fuhre zu bewegen. Und es geht ja auch manchmal bergauf. Berechnen kann ich sowas nicht, da muß Baucharbeit genügen. Ein Testbericht des Ninebot Mini Pro bei „Scooterhelden“ zeigte, dass man auf diesem Ding stehend durchaus 15% Steigung meistern kann.

Daher kaufte ich Mitte Mai über Kleinanzeigen einen Ninebot Mini Pro, dessen Motoren ich verwenden wollte.


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Ich wusste allerdings noch nicht wie, denn anders als bei Hoverboard-Motoren fand ich für den Ninebot keine billigen China-Controller mit Verkabelungs-Anweisungen, mit denen man relativ leicht die Motoren „fremdsteuern“ kann. Ich verschob das Problem (und es sollte eines werden) in die Zukunft und begann mit der zweiten Idee: dem Golf-Rollator.

Natürlich fand ich im Internet einige Versuche zum Thema Golftrolley fürs Gehen und Fahren, meist allerdings mit aufwändigen Klappmechanismen. Das Problem ist nämlich, dass beim Gehen die Schrittlänge einen gewissen Abstand zum Trolley erfordert, sonst stoße ich unten mit den Füssen an. Fahre ich aber darauf, muß ich näher heran, aufsteigen und dafür ist der Griff zu lang.

Der Rollator-Ansatz läßt Platz für die Füße, denn man geht quasi „im Gefährt“. Für die Fahrstecken stellte ich mir ausklappbare Fußstützen in Höhe der angetriebenen Hinterräder vor.


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Bei weiterem Annähern stellte sich heraus, dass solch eine Rollator-Konstruktion eine Lenkung braucht. Habe ich beim Fahren keinen Kontakt zum Boden, fehlen auch die Reaktionskräfte, um die vorderen, drehbar gelagerten Räder durch Krafteinwirkung auf die Griffe in Position zu richten. Gleichzeitig muss das ganze Ding natürlich klappbar und möglichst leicht sein um es transportieren zu können.


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Ich versuchte ich mich gedanklich an der Lösung dieser Problematik. Die Lenkstange verläuft in dem Rohr, das auch die Golftasche hält. Das erfordert allerdings unten, wo die Spurstangen der Lenkung bewegt werden soll, einiges an „Umgehungslösungen“. Mir wurde klar, dass ich es mit meinen werkstättlichen und handwerklichen Möglichkeiten nicht hätte verwirklichen können. Es schien darüberhinaus schwierig und teuer, die Konstruktion leicht und stabil genug zu halten.

Der dritte Entdeckungsversuch ist artverwand. Wieder von der Rollator-Idee und ausklappbaren Fußstützen an den hinteren Auslegern ausgehend, versuchte ich die Problematik der Lenkung anders anzugehen. Es sollte ein „Knicklenker“ werden. Man kennt dies Lenkung von z. B. Radladern oder auch von diesen kleinen, einachsigen Aufsitz-Traktörchen mit langer Lenkstange hin zu einem Anhänger, auf dem der Fahrer sitzt. Diese Teile haben keine lenkbaren Räder, sondern der ganze vordere Traktor wird um eine Achse an der Deichsel in die gewünschte Fahrtrichtung gedreht.

Von dieser Idee war ich zunächst so angetan, dass ich ein (wirklich sehr provisorisches) Holzmodell baute und parallel die Zeichungen für das zentrale Bauteil machte, um ein Kostenangebot einzuholen. Dieses Teil sorgte mit Kegelrollenlagern für Lenk- und Klappbarkeit, es sollte aus einem Alublock gefräst werden. Das Gewicht der gesamten Konstruktion schätzte ich allerdings wieder als Problem ein – es sind eben lange „Beine“, die entsprechend dimensioniert sein müssen um stabil zu sein. Als Gitterkonstruktion oder aus Alu gefräst denkbar, aber für mich nicht ausführbar.


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Der nächste Versuch ging einen Schritt zurück zum Versuch 2, diesmal versuchte ich die vorher als zu kompliziert empfundene Lenkung aus einem Kindergokart zu übernehmen. Ich kaufte mir so ein gebrauchtes Ding wieder über die Kleinanzeigen. Nach der Demontage „baute“ ich die Teile allerdings nur auf Papier und Rechner zusammen – es schien wieder zu aufwändig für mich und meine Garage.


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Allmählich verlor ich die Kontrolle und dachte an immer aufwändigere Konstrukte. Es ginge doch auch mit einem angetriebenen Hinterrad und der lenkbaren Achse des Kinder-Gokarts vorne. Da wäre dann Platz fürs Golfbag. Diese Idee gipfelte schließlich darin, dass ich mir – wieder über Kleinanzeigen – den nächsten Fehlkauf leistete: einen elektrischen Scooter, auf dem man auch sitzen kann. Der hatte zwar keinen Nabenmotor, das Hinterrad wird per Kette angetrieben, aber zumindest könnte ich die gesamte Elektrik verwenden. Ich holte den Roller am Freitag ab und machte schnell eine Fake-Ansicht der Idee am Rechner.


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Am Samstag ging ich auf eine Golfrunde (mit meinem reparierten, leichten Titan-Trolley) und wußte schon an der „roten 1“, dass meine Gedanken viel zu weit weg von sinnvollen Ideen abgedriftet waren. Theoretisch alles machbar – und vielleicht dienen die Erkundungen jemand anders, der bessere Möglichkeiten hat. Für mich hatten sie keinen Wert, weil ich sie nicht mit meinen Mitteln umsetzen kann. Die Herausforderung war vielmehr, trotz der 2 Quadratmeter Platz in meiner Garage und der bescheidenen Werkzeuge ein leichtes, handliches, faltbares, transportables Gerät zu entwickeln, das gehen und fahren ermöglicht. Ich mußte neu denken.